Was Königin Elisabeth I. und Angela Merkel gemein haben

Ich sah gestern einen Film über die Königin Elisabeth I. von England. Die stand seinerzeit von der Notwendigkeit, die Königin Maria Stuart von Schottland zum Tode verurteilen zu müssen. Alle ihre Berater rieten ihr das, der Adel, das Parlament, ihre Minister, alle waren sich einig – Maria muß sterben. Nur, das Todesurteil unterschreiben mußte Elisabeth. Sie wollte nicht. Sie hätte gern gehabt, daß jemand anders das tut, eigenverantwortlich, hinter ihrem Rücken, so daß sie es erst merkt, wenn es zu spät ist. Das hat aber nicht geklappt. Keiner tat es, sie mußte selbst unterschreiben.

Dies erinnert doch sehr an die augenblickliche Situation: Man gewinnt immer mehr den Eindruck, daß die deutsche Politik geradezu panisch nach jemandem sucht, der für die Deutschen die Drecksarbeit macht. Die Italiener, die Türken, die Griechen, die sollen ihre Grenzen sichern, damit die Deutschen das nicht selber machen müssen. Ob die Flüchtlinge sich an der türkischen oder griechischen Grenze stauen, stört die Deutschen nicht. Aber wenn im Fernsehen gezeigt werden sollte, wie deutsche Grenzpolizisten an der deutschen Grenze Flüchtlinge zurückweisen, dann wäre das Geschrei groß. Und irgendjemand wäre verantwortlich dafür. Ohne Befehl von oben tut die Polizei nichts. Da müsste dann Frau Merkel oder zumindest Herr de Mazière unterschreiben. Und dann hätte man einen Verantwortlichen, einen Schuldigen. Ja, manchmal reicht es nicht, Reden zu halten, Kabinettssitzungen zu präsidieren, Karlspreise in Empfang zu nehmen. Manchmal muß man (bzw. Frau) so richtig unangenehme, unpopuläre Anweisungen erteilen, die dann auch ausgeführt werden. 

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Autor: Stefan O. W. Weiss

Leon de Winter zählte die Kolumnen von David P. Goldman, besser bekannt unter seinem nom de plume „Spengler“, „zu den allerinteressantesten, die es weltweit zu lesen gibt“. Seine Texte, die er meist in „Asia Times“ und „PJMedia“ veröffentlicht, haben eine Leserschaft gefunden, die in die Hunderttausende geht. Er behandelt so verschiedene Themen wie Philosophie, Literatur, Wirtschaftswissenschaften, Theologie, Strategie, Weltpolitik, Musik und andere mehr mit gleicher Souveränität und Kompetenz. In Deutschland ist er ein Geheimtipp geblieben, bedauerlicherweise, da er ein vorzüglicher Kenner der deutschen Geistesgeschichte ist. Seine Essays über Wagner, Goethe, Schiller seien doch wenigstens en passant erwähnt. Um dem deutschen Leser die Lektüre zu erleichtern, beabsichtige ich, in diesem Blog seine Texte fortlaufend in Deutsche zu übersetzen. Ich habe dieses Projekt seit einigen Monaten verfolgt, der erste hier auf Deutsch veröffentliche Text stammt vom Oktober 2015. In den kommenden Wochen gedenke ich, seine nachfolgenden Texte in chronologischer Reihenfolge zu veröffentlichen, bis der Anschluss zu Gegenwart erreicht ist.

8 Kommentare zu „Was Königin Elisabeth I. und Angela Merkel gemein haben“

  1. Es scheint mir doch höchst sinnvoll zu sein, die darbenden Südvölker mit ihren massenhaft arbeitslosen Jugendlichen künftig dafür zu entlohnen, die EU-Außengrenze zu sichern. Wir bauen und verkaufen mittlerweile Autos, um das zu bezahlen. Oder soll die Bundeswehr die Außengrenze schützen, während Italiener, Griechen und Türken Autos fertigen?

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    1. Na ja, wenn das klappen würde, hätte ich nichts dagegen. Das hat Frau Merkel ja mit den Türken versucht. Aber ich fürchte, die werden das Geld nehmen, und nichts tun. Und dann werden schließlich doch die Deutschen selbst sich um ihre Grenzen kümmern müssen.

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  2. gutes thema deutsche grenzen schützen. habe gestern abend in die heuteshow gezappt und einen beitrag aufgeschnappt.
    die deutsche aussengrenze sollen 6000 km lang sein. jeder deutsche einwohner bräuchte angeblich nur 7,5 cm grenze zu schützen, dann wäre die deutsche aussengrenze restlos geschützt. ich musste über den beitrag herrlich lachen.

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      1. Eheu, Sie begehren doch, ein Liberaler zu sein; wieso denn immer diese Rufe nach Kontrolle durch den Nationalstaat? Schlagen Sie bei Adam Smith nach, worauf der Wohlstand der Nationen beruht. Richtig: Auf internationaler Arbeitsteilung und Spezialisierung! Es genügt der Schutz der EU-Außengrenze. Zu ändern sind nur die Zahlungsmodalitäten: Rechnung statt Vorauskasse.

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    1. Jetzt überzeugen Sie mich: Das wäre die optimale und wahrhaft liberale Lösung: Weg mit allen staatlichen Grenzkontrollen und Zuzugsbeschränkungen, weg mit den Sozialleistungen und staatlichen Hemmnissen wie Mindestlohn usw. Möge jeder an seinem Glück schmieden, die unsichtbare Hand wird es richten. In den USA des 19. Jahrhunderts hat es ja auch geklappt.

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      1. Ich fürchte, über kurz oder lang, wird das die Alternative sein: Entweder Grenzen dicht machen oder Sozialleistungen runterfahrenEs . ist nicht so, daß ich das gut finde. Aber man sollte sich auch keine Illusionen machen

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