Jüdischer Pantheismus?

Ich habe gerade einen interessanten Text von Spengler übersetzt (hier, die deutsche Fassung wird in einigen Tagen hier publiziert), und zwar über den jüdischen Theologen und Philosophen Michael Wyschogrod. Wenn ich ihn richtig verstehe, steht im Mittelpunkt von Wyschogrods Spekulationen die „Schechina“ bzw. „Einwohnung“ Gottes, was wiederum eng mit dem christlichen Konzept der „Inkarnation“, der „Mensch“- bzw. „Fleischwerdung“ Gottes, zusammenhängt. Gott, ein Wesen, das man sich herkömmlicherweise als irgendwie geistartig bzw. immateriell vorstellt, nimmt also menschliche Gestalt an; bei den Juden manifestiert er sich – Wyschogrod zufolge – im Volk Israel, bei den Christen in Jesus. Was mich doch überrascht, ist die Nähe dieses Konzepts zum Pantheismus, über den ich hier mal etwas geschrieben habe. Ich war bisher immer der Ansicht, die christlich/jüdische Gottesvorstellung stände in Opposition zum Pantheismus (darum auch Schopenhauers Ablehnung beider Religionen), wenn man jedoch Wyschogrods Ansatz folgt, ergeben sich durchaus Berührungspunkte zwischen Juden- und Christentum einerseits und pantheistischen Vorstellungen andererseits. Immerhin, wenn ich Spengler richtig verstehe, vertritt Wyschogrod eine – wenn auch wachsende Minderheit – unter den jüdischen Gelehrten. Warten wir mal ab, wie sich das weiter entwickelt.

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Autor: Stefan O. W. Weiss

Leon de Winter zählte die Kolumnen von David P. Goldman, besser bekannt unter seinem nom de plume „Spengler“, „zu den allerinteressantesten, die es weltweit zu lesen gibt“. Seine Texte, die er meist in „Asia Times“ und „PJMedia“ veröffentlicht, haben eine Leserschaft gefunden, die in die Hunderttausende geht. Er behandelt so verschiedene Themen wie Philosophie, Literatur, Wirtschaftswissenschaften, Theologie, Strategie, Weltpolitik, Musik und andere mehr mit gleicher Souveränität und Kompetenz. In Deutschland ist er ein Geheimtipp geblieben, bedauerlicherweise, da er ein vorzüglicher Kenner der deutschen Geistesgeschichte ist. Seine Essays über Wagner, Goethe, Schiller seien doch wenigstens en passant erwähnt. Um dem deutschen Leser die Lektüre zu erleichtern, beabsichtige ich, in diesem Blog seine Texte fortlaufend in Deutsche zu übersetzen. Ich habe dieses Projekt seit einigen Monaten verfolgt, der erste hier auf Deutsch veröffentliche Text stammt vom Oktober 2015. In den kommenden Wochen gedenke ich, seine nachfolgenden Texte in chronologischer Reihenfolge zu veröffentlichen, bis der Anschluss zu Gegenwart erreicht ist.

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