Endlich gleichberechtigt

Letzte Woche fuhr ich mit dem Auto durch die pittoreske Schwarzwaldstadt Triberg, bekannt durch einen (ziemlich mickrigen) Wasserfall, (grauenhaft kitschige) Kuckucksuhren und (köstlichen) Schwarzwälder Schinken, war auf der Suche nach einem Parkplatz, hatte bereits das charakteristische weiße „P“ auf blauem Grund ausgemacht, als mein Blick auf etwas fiel, das ich schlichtweg nicht glauben konnte. Bei der Einfahrt in das Parkhaus sah ich – im Vorbeifahren – einen Moment ein Schild mit einer Aufschrift, die mich an meinem Sehvermögen zweifeln ließ. Das konnte nicht sein, das musste eine Fata Morgana, eine Sinnestäuschung, eine Wahnvorstellung sein. „Hast du das gesehen?“ fragte ich meine Gemahlin. „Nein, was?“ fragte sie zurück. „Das Schild!“ „Nein, was stand denn drauf?“ „Ach nichts, ich muss mich geirrt haben“. Damit endete unsere diesbezügliche Konversation. Ich parkte, wir stiegen aus, taten, was wir in Triberg tun wollten.

Aber die Sache ließ mir keine Ruhe. Jetzt, nach meiner Rückkehr habe ich nachgesehen und festgestellt: Ich habe mich nicht geirrt! Meine Erinnerung hat nicht getrogen; ich habe das Schild korrekt abgelesen!! Er existiert tatsächlich!!! Er: Der Männerparkplatz! Ja, in dem kleinen, abgelegenen, unbedeutenden Städtchen Triberg hat die Gegenoffensive begonnen. Da wird jetzt ernst gemacht mit der Gleichberechtigung. Wo es Frauenparkplätze gibt, muß es auch Männerparkplätze geben, wo Frauenquoten, auch Männerquoten, wo Frauenpower, auch Männerpower etc. Gut, ja, noch tarnen die Triberger ihr Vorgehen als Werbegag (siehe hier), aber den Tieferblickenden täuscht das nicht. Die Invasion hat begonnen, die Schiffe mit den Landungstruppen laufen aus, die Flugzeuge mit den Fallschirmjägern sind in der Luft.  Bald wird es Alice Schwarzer ergehen, wie dem Major Pluskat in „Der längste Tag„.

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Autor: Stefan O. W. Weiss

Leon de Winter zählte die Kolumnen von David P. Goldman, besser bekannt unter seinem nom de plume „Spengler“, „zu den allerinteressantesten, die es weltweit zu lesen gibt“. Seine Texte, die er meist in „Asia Times“ und „PJMedia“ veröffentlicht, haben eine Leserschaft gefunden, die in die Hunderttausende geht. Er behandelt so verschiedene Themen wie Philosophie, Literatur, Wirtschaftswissenschaften, Theologie, Strategie, Weltpolitik, Musik und andere mehr mit gleicher Souveränität und Kompetenz. In Deutschland ist er ein Geheimtipp geblieben, bedauerlicherweise, da er ein vorzüglicher Kenner der deutschen Geistesgeschichte ist. Seine Essays über Wagner, Goethe, Schiller seien doch wenigstens en passant erwähnt. Um dem deutschen Leser die Lektüre zu erleichtern, beabsichtige ich, in diesem Blog seine Texte fortlaufend in Deutsche zu übersetzen. Ich habe dieses Projekt seit einigen Monaten verfolgt, der erste hier auf Deutsch veröffentliche Text stammt vom Oktober 2015. In den kommenden Wochen gedenke ich, seine nachfolgenden Texte in chronologischer Reihenfolge zu veröffentlichen, bis der Anschluss zu Gegenwart erreicht ist.

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