Theorie der relativen (männlichen) Tugendhaftigkeit 2

Mein voriger Beitrag war selbstverständlich humoristisch gemeint, er hat aber einen ernsten Kern, den ich etwas herauspräparieren will. Die gesamte Frauenemanzipation, wie sie in Europa mit den Suffragetten einsetzte, lief immer nach demselben Muster ab. Es waren Forderungen, welche die Frauen an die Männer stellten und welche die Männer schießlich erfüllten. Das Muster als solches ist uralt. Seit jeher betrachten Frauen Männer als Mittel, um das zu erlangen, was sie wollen, neu war lediglich, daß das was sie wollten, nicht mehr Kleider, Schmuck, Wohlstand, Ansehen, etc. waren, sondern Emanzipation und Gleichberechtigung. Von diesem Muster abzurücken, haben Frauen um so weniger Anlass, als es ja – zumindest bisher – durchaus zufriedenstellend funktioniert hat. Freilich, die geschlechtsspezifische Wahrnehmung ist eine andere. Der Mann sieht sich in der Rolle eines wohlwollenden Herrschers, der den Wunsch eines Untertanen gnädig erfüllt, er hält sich für großzügig, für tugendhaft, für vorbildlich, von seinem Standpunkt aus zu Recht, da er ja auch anders könnte. Das ist seine (relative) Tugendhaftigkeit. Die Frau dagegen sieht sich als benachteiligtes Wesen, das lediglich einen kleinen Teil ihr selbstverständlich zustehender Dinge und Rechte einfordert, von ihrem Standpunkt aus ebenfalls zu Recht, da sie zumindest früher nicht gleichberechtigt war. (Dass dies nicht an männlicher Bosheit, sondern an bestimmten gesellschaftlichen Strukturen lag, ist ein anderes Thema.)

Es kommt aber irgendwann der Tag, wo der Mann merkt, dass er – wie König Lear – zuviel weggegeben hat, um seine Herrschaft zu behaupten. Und dann kommt es zu Konflikten. Wenn der Mann einfach nur noch stur nein sagt, die Frau wiederum merkt, daß sie mit der alten Methode nicht weiterkommt, dann könnte etwas passieren. Ich weiß nicht was, aber das stärkere Geschlecht sind nun einmal die Männer. Das ist nicht unser Verdienst, das ist einfach nur ein Faktum.

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Autor: Stefan O. W. Weiss

Leon de Winter zählte die Kolumnen von David P. Goldman, besser bekannt unter seinem nom de plume „Spengler“, „zu den allerinteressantesten, die es weltweit zu lesen gibt“. Seine Texte, die er meist in „Asia Times“ und „PJMedia“ veröffentlicht, haben eine Leserschaft gefunden, die in die Hunderttausende geht. Er behandelt so verschiedene Themen wie Philosophie, Literatur, Wirtschaftswissenschaften, Theologie, Strategie, Weltpolitik, Musik und andere mehr mit gleicher Souveränität und Kompetenz. In Deutschland ist er ein Geheimtipp geblieben, bedauerlicherweise, da er ein vorzüglicher Kenner der deutschen Geistesgeschichte ist. Seine Essays über Wagner, Goethe, Schiller seien doch wenigstens en passant erwähnt. Um dem deutschen Leser die Lektüre zu erleichtern, beabsichtige ich, in diesem Blog seine Texte fortlaufend in Deutsche zu übersetzen. Ich habe dieses Projekt seit einigen Monaten verfolgt, der erste hier auf Deutsch veröffentliche Text stammt vom Oktober 2015. In den kommenden Wochen gedenke ich, seine nachfolgenden Texte in chronologischer Reihenfolge zu veröffentlichen, bis der Anschluss zu Gegenwart erreicht ist.

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