Die Kunst der öffentlichen Debatte

Ich werde immer neidisch, wenn ich amerikanische politische Diskussionen und Debatten sehe bzw. über sie lese. Da geht wirklich die Post ab, da wird hart argumentiert, mal zur Sache, mal mit Tiefschlägen, aber keiner redet drumherum. In den USA weiß man noch, daß Politik ein „Agon“, ein Wettkampf ist. Und dann schaut man nach Deutschland, wo man bei analogen Veranstaltungen immer Gähnkrämpfe kriegt. Das war nicht immer so. Ich weiß noch, wie sich Franz Josef Strauß und Herbert Wehner im Bundestag fetzten. Das war vergleichbar. Aber heute? Tote Hose.

Man vergleiche mal das hier mit dem da.

Zur gestrigen Diskussion der Republikaner: Ich las mehrfach, Ted Cruz wäre der beste Debattierer, der beste Universitätsdisputant in Harvard gewesen (bezeichnend, daß die deutsche Sprache nicht mal eine passende Übersetzung für „college debater“ bietet); in den Fernsehdiskussionen aber hat er das bisher nicht gezeigt. Gestern scheint er endlich seinem Ruf gerecht geworden zu sein. Zeit wird’s.

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Autor: Stefan O. W. Weiss

Leon de Winter zählte die Kolumnen von David P. Goldman, besser bekannt unter seinem nom de plume „Spengler“, „zu den allerinteressantesten, die es weltweit zu lesen gibt“. Seine Texte, die er meist in „Asia Times“ und „PJMedia“ veröffentlicht, haben eine Leserschaft gefunden, die in die Hunderttausende geht. Er behandelt so verschiedene Themen wie Philosophie, Literatur, Wirtschaftswissenschaften, Theologie, Strategie, Weltpolitik, Musik und andere mehr mit gleicher Souveränität und Kompetenz. In Deutschland ist er ein Geheimtipp geblieben, bedauerlicherweise, da er ein vorzüglicher Kenner der deutschen Geistesgeschichte ist. Seine Essays über Wagner, Goethe, Schiller seien doch wenigstens en passant erwähnt. Um dem deutschen Leser die Lektüre zu erleichtern, beabsichtige ich, in diesem Blog seine Texte fortlaufend in Deutsche zu übersetzen. Ich habe dieses Projekt seit einigen Monaten verfolgt, der erste hier auf Deutsch veröffentliche Text stammt vom Oktober 2015. In den kommenden Wochen gedenke ich, seine nachfolgenden Texte in chronologischer Reihenfolge zu veröffentlichen, bis der Anschluss zu Gegenwart erreicht ist.

5 Kommentare zu „Die Kunst der öffentlichen Debatte“

  1. Ich kann mich auch an die Zeit erinnern, in der Strauß, Wehner und auch Helmut Schmidt rhetorisch die Klingen kreuzten. Aber es ging dereinst nicht um die Größe von Geschlechtsteilen, um die Frage, ob jemand noch Luft bekomme, oder um Yogaübungen. Die Musketiere der Republikaner scheinen ja nicht zuletzt Klamauk für ein johlendes Fernsehpublikum zu bieten. Das ist zweifellos höchst unterhaltsam und vergnüglich, aber einen Beweis für eine überlegene Diskussionskultur vermag ich auf Anhieb nicht zu erkennen.

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      1. Ich rate zur Anschaffung eines Fernsehgeräts, denn solche Debatten muss man sehen; das ist ja ihre Existenzberechtigung. Schon in der Mutter aller dieser Auftritte hatte Nixon bekanntlich bessere Argumente als Kennedy, verlor aber dennoch, weil er wie ein unrasierter Kleinkrimineller wirkte (der er ja auch war).
        Die Kandidaten der Republikaner wirkten auf mich ähnlich kompetent wie die Olsenbande bei der Vorbereitung eines Überfalls oder (für Comicfreunde) wie die Daltons mit Trump in der Rolle des Averells. Da mag Cruz vielleicht den Joe Dalton gegeben und sich ein A+ von T. Elliot Gaiser verdient haben – irgendwie hätte die Geschichte aber wahrscheinlich ein besseres Ende, wenn doch noch Lucky Luke vorbeikäme.
        Jedenfalls: Wenn einer dieser Herren gewählt wird, will ich doch sehr auf die Existenz der jüdisch-kapitalistisch-freimaurerischen-wieauchimmer-Weltverschwörung hoffen, die aus dem Hintergrund die Fäden zieht, damit wenigstens ein paar Leute wissen, wo es lang geht. Aber ein Punkt ist zweifellos richtig: Es war unterhaltsam. Ungefähr so, wie die Wiederholung einer Folge der Olsenbande.

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  2. Jau, immerhin hat Calamity Jane bei Lucky Luke durchaus Führungsqualitäten (ohnehin m.E. eines der besten Alben der gesamten Reihe). Aber vielleicht ringen sich die Amerikaner doch noch dazu durch, die Verfassung zu ändern, und Arnie tritt an. Er wäre nicht nur der weit überlegene Debattierer (was ließe sich „Hasta la vista, baby“ schon entgegensetzen?), und Putin würde nie mehr wieder öffentlich sein Hemd ausziehen, um seine Männlichkeit zu demonstrieren.

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