Trump bei der Washington Post

Ich las gerade einen interessanten TExt: Donald Trump hat die Washington Post besucht, und ein langes Gespräch mit den Redakteuren gehabt. Es ist kein Interview im gängigen Sinne, vielmehr wirklich eine längere Diskussion über seine politischen Ziele, Absichten und Methoden. Die Washington Post hat ein Transskript dieses Gesprächs in Netz gestellt (hier), das ich doch ausdrücklich zur Lektüre empfohlen haben möchte. Man findet dort den wirklichen, authentischen Trump, kann sich sein eigenes Bild machen.

Dass mir dieser wirkliche, authentische Trump nun sonderlich gefallen hätte, kann ich nicht behaupten. Ein Problem ist sicher, dass er nicht sehr wortgewandt ist. Man sieht, er sucht im Sprechen nach Formulierungen, er gibt ungern allgemeine Statements von sich, vor allem, das ist auffällig, versucht er, sich selbst und seinen Gesprächspartnern die Dinge anschaulich zu machen. Abstraktionen sind nichts für ihn, er will Realitäten vor sich sehen. Das ist ein Problem, dass seine Gesprächspartner mit ihm hatten, vereinfacht: sie wollten klare Aussagen, Trump antwortete – überspitzt ausgedrückt – mit „Schaun mer ma.“

Generell fand ich bei ihm eine Mischung aus gesundem Menschenverstand einerseits und Unwissenheit, man kann auch sagen Naivität, andererseits. Er ist sicher jemand, der keinen theoretischen Zugang zur Politik hat, sondern einen rein praktischen. Politik ist das, was er im Laufe seines Lebens mit Politikern gemacht und verhandelt hat. Er ist ein unideologischer Mensch, was ein Vorteil sein kann, aber nicht muß. Er hat dadurch einen unverstellten Blick, aber auch einen sehr kurzsichtigen. Er sieht das, was in seiner Nähe ist, das kann er beurteilen und weiß, wie er damit umzugehen hat. Aber was ist mit Dingen, die ihm fern liegen?

Ob bloßer gesunder Menschenverstand ausreicht, um Präsident zu sein? Vielleicht werden wir es bald erfahren.

 

 

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Autor: Stefan O. W. Weiss

Leon de Winter zählte die Kolumnen von David P. Goldman, besser bekannt unter seinem nom de plume „Spengler“, „zu den allerinteressantesten, die es weltweit zu lesen gibt“. Seine Texte, die er meist in „Asia Times“ und „PJMedia“ veröffentlicht, haben eine Leserschaft gefunden, die in die Hunderttausende geht. Er behandelt so verschiedene Themen wie Philosophie, Literatur, Wirtschaftswissenschaften, Theologie, Strategie, Weltpolitik, Musik und andere mehr mit gleicher Souveränität und Kompetenz. In Deutschland ist er ein Geheimtipp geblieben, bedauerlicherweise, da er ein vorzüglicher Kenner der deutschen Geistesgeschichte ist. Seine Essays über Wagner, Goethe, Schiller seien doch wenigstens en passant erwähnt. Um dem deutschen Leser die Lektüre zu erleichtern, beabsichtige ich, in diesem Blog seine Texte fortlaufend in Deutsche zu übersetzen. Ich habe dieses Projekt seit einigen Monaten verfolgt, der erste hier auf Deutsch veröffentliche Text stammt vom Oktober 2015. In den kommenden Wochen gedenke ich, seine nachfolgenden Texte in chronologischer Reihenfolge zu veröffentlichen, bis der Anschluss zu Gegenwart erreicht ist.

7 Kommentare zu „Trump bei der Washington Post“

  1. eine bitte habe ich dich, meine werter stefan, könntest für die leser, die die nur umgangsenglisch lesen und verstehen, den trump nicht auf deutsch zusammenfassen? aber nur, wenn es keine große mühe machen würde.
    mir wäre hillary clinton lieber als präsidentin als der trump, der sich schon öfter blamiert hat wie ich finde. aber wir haben keinen einfluß auf die deutsche berichterstattung.

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    1. Trumps Ausführungen scheinen mir eine These zu bestätigen, die ich nach jahrelangen Kontakten mit deutschen Universitätsprofessoren aufgestellt habe: Es tut den meisten Menschen nicht gut, wenn es niemanden mehr gibt, der zu Ihnen sagen kann „Halt jetzt endlich mal den Mund, du Schwätzer“.

      Gefällt 2 Personen

    2. Zusammenfassen hat da keinen Sinn. Es geht ja nicht darum, was er sagt, sondern wie. Und ihn ganz zu übersetzen habe ich keine Lust. So toll ist er wirklich nicht.
      Aber du hast schon Recht. Ändern können wir es eh nicht. Aber wie sagte doch Bismarck: Der liebe Gott schützt Kinder, Narren und die Vereinigten Staaten von Amerika.

      Gefällt 1 Person

      1. einige ehemalige präsidenten der usa fphlten sich bekanntlich von gott berufen. in europa käme man dafür in die psychiatrie wohl auch jeder normalbürger der usa.

        bigotterie vom feinsten.

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