Amerikas Ragnarök?

 

Was tut man, um seinen großen Sohn zu amüsieren? Man geht mit ihm in den neuen Batman und Superman-Film. In dem war ich also gestern. Der Film beunruhigt mich. Gut, natürlich weiß ich, dass das einfach ein trivialer Actionfilm ist. Aber – wozu ist man schließlich Intellektueller? – man darf nicht nur die Oberfläche der Dinge sehen; vielmehr ziemt es dem gelehrten Germanen – wie einst Wotan – einen Trunk aus Mimirs Brunnen zu tun, um das Wesen der Dinge zu erkennen. Superheldenfilme sind immer Psychogramme der amerikanischen Volksseele und Hollywood hat immer einen guten Riecher gehabt, wie der mentale Zustand der Amerikaner ist.

Und da verheißt der Film nichts Gutes. Die amerikanische Psyche ist in Aufruhr! Das Gute kämpft gegen das Gute, das Böse triumphiert! Aber nein, es ist noch schlimmer! Das Gute weiß nicht mehr, was gut ist, aber das Böse immer noch, was böse ist. Amerika hat seinen Kompass verloren, es weiß nicht, wohin. Es weiß nicht, wem es folgen soll, von wem es Rettung erhoffen darf? Von dem Musterknaben und ewigen Klassenbesten Supermann? (ich wette, Superman wählt demokratisch). Oder von dem finsteren, aber entschlossenen Batman? (der wählt zweifellos republikanisch). Oder von dieser Quotensuperheldin, die auf einmal höchst unmotiviert aufkreuzt? (der gute alte Bill Clinton hätte sie umgehend von der Castingcouch geschubst). Oder von seinem schwachsinnigen Präsidenten, der Superman mit Atomraketen beschießen lässt? (pikanterweise ist der Präsident im Film nicht zu sehen, er wird nur telefonisch konsultiert. Ich wette, Hollywood wollte dem Problem aus dem Weg gehen, ob man ihn von  einem Schwarzen oder einem Weißen spielen lässt?).

Das Ganze endet in einer Art wagnerianischer Götterdämmerung. Was soll das, ihr Amerikaner? Dieses apokalyptische Zeug ist europäisch, nicht amerikanisch! Von euch will ich Filme mit Happy End! Stan und Olli hätten das außerirdische Monster mit kryptonitgewürzten Sahnetorten beworfen! So macht man das!!

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Autor: Stefan O. W. Weiss

Leon de Winter zählte die Kolumnen von David P. Goldman, besser bekannt unter seinem nom de plume „Spengler“, „zu den allerinteressantesten, die es weltweit zu lesen gibt“. Seine Texte, die er meist in „Asia Times“ und „PJMedia“ veröffentlicht, haben eine Leserschaft gefunden, die in die Hunderttausende geht. Er behandelt so verschiedene Themen wie Philosophie, Literatur, Wirtschaftswissenschaften, Theologie, Strategie, Weltpolitik, Musik und andere mehr mit gleicher Souveränität und Kompetenz. In Deutschland ist er ein Geheimtipp geblieben, bedauerlicherweise, da er ein vorzüglicher Kenner der deutschen Geistesgeschichte ist. Seine Essays über Wagner, Goethe, Schiller seien doch wenigstens en passant erwähnt. Um dem deutschen Leser die Lektüre zu erleichtern, beabsichtige ich, in diesem Blog seine Texte fortlaufend in Deutsche zu übersetzen. Ich habe dieses Projekt seit einigen Monaten verfolgt, der erste hier auf Deutsch veröffentliche Text stammt vom Oktober 2015. In den kommenden Wochen gedenke ich, seine nachfolgenden Texte in chronologischer Reihenfolge zu veröffentlichen, bis der Anschluss zu Gegenwart erreicht ist.

3 Kommentare zu „Amerikas Ragnarök?“

  1. gut analysiert stefan.
    mir ist der schwachsinn aus hollywood auch aufgefallen, man braucht bloß den sender prosieben einzuschalten, da laufen superheldenfilme wie am fließband… naja etwas übertrieben.
    meine bescheidene meinung dazu: selbst hollywood hat keine visionen mehr für eine gerechte und faire zukunft ihrer bürger, dann werden die alten superhelden aus der mottenkiste geholt.
    eine frage hätte ich noch: hat europa keine guten filme mehr?

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