Wunderheilung

Heute war ich beim Arzt, dem führenden Magen-Darm-Spezialisten Straßburgs; er hat mir diverse Untersuchungen, darunter eine Endoscopie (schreibt man das so?), aufgebrummt. Und – was soll ich sagen? – auf einmal fühle ich mich viel besser, fast gesund! Auf einmal habe ich Lust auf Fleischkäse mit Senf. Am Ende muß ich vielleicht gar nicht zur Endoscopie?

Sollten Frauen das Wahlrecht haben?

Was ich an den Amerikanern so mag: Sie scheuen sich nicht, einfach mal Selbstverständliches in Frage zu stellen. Als wohldomestizierter mitteleuropäischer Ehemann würde ich persönlich obige Frage mit einem überzeugten „ja“ beantworten. Indes, mir ist durchaus klar, dass ich dem Zeitgeist hoffnungslos hinterherhinke, ich aktuelle Entwicklungen immer als letzter mitkriege. Jedenfalls stoße ich jetzt mit einigem Erstaunen darauf, dass in den USA sogar Feministinnen dem Wahlrecht für Frauen keineswegs unkritisch gegenüberstehen.

Siehe hier:

Vom Nutzen alter Bücher – Karl May, oder: Antikolonialismus und Sklaverei

Gestern las ich diesen Artikel in SPON; er handelt von dem seinerzeit berühmten Afrikaforscher Gustav Nachtigal (1834-1885), der neuerdings als „umstritten“ bezeichnet wird. Grund dafür ist, dass er eine – nicht sehr bedeutende – Rolle bei der Gründung der deutschen Kolonie Südwestafrika gespielt hat. Darum wird er heute als „Kolonialherr der übleren Sorte“ geschmäht, verlangt man in Berlin, den nach ihm benannten „Nachtigalplatz“ umzubenennen.

Dass dies Unsinn ist, wird in dem zitierten Artikel gut begründet, er sei ausdrücklich zur Lektüre empfohlen. Gleichwohl ist er ein guter Anlass, das Phänomen des Kolonialismus etwas genauer ins Auge zu fassen. Heute gilt dieser als verdammenswertes Verbrechen, jemanden „Kolonialist“ zu nenne, wäre eine schwere Beleidigung. Dabei übersieht man freilich, dass es seinerzeit sehr gute, nämlich humanitäre Gründe für die Kolonialisierung Afrikas gab (dass es auch andere, höchst unhumanitäre gab, leugne ich damit nicht), nämlich den Kampf gegen die Sklaverei. Der gesamte afrikanische Raum südlich der Sahara war Jagdgebiet für Sklavenjäger, die dort Menschen einfingen, um sie auf den Sklavenmärkten der muslimischen Staaten nördlich der Sahara zu verkaufen. Das ist ein Phänomen, das seinerzeit gut bekannt war, heute aber aus politischer Korrektheit gerne totgeschwiegen wird.

Für jemanden freilich, der in seiner Jugend Karl May gelesen hat, nämlich „Die Sklavenkarawane“ und „Im Lande des Mahdi“, ist obiges nichts Neues. Ein kleines Zitat:

Reis Effendiana: „Allerdings. Und diese Bewandtnis hängt sehr eng mit dem Buche, welches ich schreiben will, zusammen. Ich will es dir erklären. …. Der Sklavenhandel ist verboten, wird aber noch immer betrieben. Du hast gar keine Ahnung, wie viel Menschen jährlich an demselben zu Grunde gehen!“

Kara ben Nemsi: „Ob ich es weiß, das sollst du sogleich erfahren. Sprechen wir nur von Ägypten, wo doch der Sklavenhandel aufgehoben ist. Vom obern Nil werden jährlich 40000 Sklaven über das rote Meer geführt. Davon gehen 16000 in andere Gegenden, 24000 aber nach Ägypten. Dazu kommen 46000, welche auf dem Nile und auf Landwegen nach Nubien und Ägypten geführt werden. Dieses Land erhält also über 4 Hafenplätze und auf 14 Landrouten jährlich 70000 Sklaven. Nun muß man rechnen, daß auf einen verkauften Sklaven vier andere kommen, welche während der Sklavenjagd getötet werden oder während des Transportes umkommen. Das ergiebt den fürchterlichen Schluß, daß die Sudanländer allein für Ägypten jährlich 350000 Menschen einbüßen. Soll ich weiter sprechen, nicht bloß von Ägypten allein?“

Er sah mich mit weit geöffneten Augen an und antwortete nicht.

Kara ben Nemsi: „Soll ich dir sagen, daß die Harems von Konstantinopel von zehn- bis vierzehnjährigen tscherkessischen Sklavinnen wimmeln, für welche man pro Stück zwanzig Thaler zahlt, während sie noch vor kurzem achtmal teurer waren? Wie viele Neger und Negerinnen wird es da erst geben? Und dabei versichern uns die Gesandtschaften der hohen Pforte, daß der Sklavenhandel nicht mehr existiere!“

(zit. nach Im Lande des Mahdi, Kap. 2 hier).

Unter Karl May-Experten ist seit langem bekannt, dass Mays Vorbild für die Gestalt des Kara ben Nemsi deutsche Afrikaforscher wie Gustav Nachtigal oder Gerhard Rohlfs waren, Männer, die – vielfach als Araber und Muslime verkleidet – den Orient bereist und dort das Phänomen der afrikanischen Sklaverei selbst mitangesehen hatten. Sie zeichnet sich durch entschiedene Ablehnung der Sklaverei aus und setzten ihre Popularität ein, um gegen diese öffentlich Stellung zu nehmen.

Freilich, was konnte man tun? Die internationale Antisklavereibewegung hatte es durchgesetzt, dass auch manche islamische Staaten die Sklaverei offiziell verboten, de facto aber änderte das nichts (wie Kara ben Nemsi mit Recht bemerkt). Letztlich lief es darauf hinaus, den Südsahararaum zu kolonialisieren, um dort die Sklaverei abzuschaffen. Vor allem England war hier vorbildlich, hat in seinen afrikanischen Kolonien Sklaverei, Sklavenjagd und Sklavenhandel von Anfang an unterbunden; die anderen europäischen Kolonialmächte folgten zögernder, aber sie folgten.

Insofern sollte man das Phänomen der Kolonialisierung Afrikas doch etwas differenzierter sehen, und aufhören, Tote zu attackieren, die sich seinerzeit um die Bekämpfung der Sklaverei verdient gemacht haben. Auch ist nicht zu übersehen, dass die Sklaverei vor allem in islamischen Staaten auch heute noch existiert, gerechtfertigt mit dem Vorbild von Mohammed, welcher selbst Sklaven besaß (Siehe hier). Auch dies ein Bereich, wo der Islam reformbedürftig ist. Während jedoch die islamische Sklaverei im  19. Jahrhundert breite Aufmerksamkeit fand und Kritik auslöste (ja sogar Stoff für populäre Abenteuerromane bot), wird sie heute totgeschwiegen. Die Berliner Linken und Grünen, die sich da gerade über Gustav Nachtigal ereifern, fänden hier ein geeignetes Betätigungsfeld.

Ach ja, wer etwas Wissenschaftliches dazu lesen will, der greife zu diesen Buch.

Warum Verschwörungstheorien so beliebt sind

Der Grund scheint mir offensichtlich. Menschen, die Verschwörungstheorien anhängen, ertragen die Dummheit, die Unfähigkeit ihrer Regierungen nicht. Sie denken: „So blöd kann unsere Regierung einfach nicht sein! Es ist einfach unmöglich, dass eine Regierung aus reiner Dummheit die sichersten Atomkraftwerke der Welt abschaltet, die deutschen Energieversorger ruiniert, die deutschen Gentechniker ins Ausland treibt, die deutsche Autoindustrie mit absurden Vorschriften schikaniert, die deutschen Grenzen für islamische Attentäter öffnet (und zudem der Türkei Milliarden zahlt, damit die noch mehr Islamisten schickt). Das ist einfach unmöglich. So blöd kann einfach niemand sein. Da muss einfach eine Verschwörung dahinterstecken“.

Anhänger von Verschwörungstheorien wollen lieber von Schurken als von Dummköpfen regiert werden. Würde die aktuelle deutsche Politik von Verschwörern gemacht, die mit ihr eine bestimmte dunkle Absicht verfolgten, dann könnte man sie wenigstens ernst nehmen, wenigstens einen Sinn in ihr sehen.

Was aber, wenn es da keine Verschwörung gibt? Nicht nur hätte man eine unfähige Regierung, man müsste sich auch täglich von ihr verar…, äh, verkohlen lassen. Nein, ich habe Verständnis dafür, dass viele Menschen so etwas einfach nicht ertragen. Verschwörungstheorien sind so etwas wie intellektuelle Notwehr.

Amerikas Ragnarök?

 

Was tut man, um seinen großen Sohn zu amüsieren? Man geht mit ihm in den neuen Batman und Superman-Film. In dem war ich also gestern. Der Film beunruhigt mich. Gut, natürlich weiß ich, dass das einfach ein trivialer Actionfilm ist. Aber – wozu ist man schließlich Intellektueller? – man darf nicht nur die Oberfläche der Dinge sehen; vielmehr ziemt es dem gelehrten Germanen – wie einst Wotan – einen Trunk aus Mimirs Brunnen zu tun, um das Wesen der Dinge zu erkennen. Superheldenfilme sind immer Psychogramme der amerikanischen Volksseele und Hollywood hat immer einen guten Riecher gehabt, wie der mentale Zustand der Amerikaner ist.

Und da verheißt der Film nichts Gutes. Die amerikanische Psyche ist in Aufruhr! Das Gute kämpft gegen das Gute, das Böse triumphiert! Aber nein, es ist noch schlimmer! Das Gute weiß nicht mehr, was gut ist, aber das Böse immer noch, was böse ist. Amerika hat seinen Kompass verloren, es weiß nicht, wohin. Es weiß nicht, wem es folgen soll, von wem es Rettung erhoffen darf? Von dem Musterknaben und ewigen Klassenbesten Supermann? (ich wette, Superman wählt demokratisch). Oder von dem finsteren, aber entschlossenen Batman? (der wählt zweifellos republikanisch). Oder von dieser Quotensuperheldin, die auf einmal höchst unmotiviert aufkreuzt? (der gute alte Bill Clinton hätte sie umgehend von der Castingcouch geschubst). Oder von seinem schwachsinnigen Präsidenten, der Superman mit Atomraketen beschießen lässt? (pikanterweise ist der Präsident im Film nicht zu sehen, er wird nur telefonisch konsultiert. Ich wette, Hollywood wollte dem Problem aus dem Weg gehen, ob man ihn von  einem Schwarzen oder einem Weißen spielen lässt?).

Das Ganze endet in einer Art wagnerianischer Götterdämmerung. Was soll das, ihr Amerikaner? Dieses apokalyptische Zeug ist europäisch, nicht amerikanisch! Von euch will ich Filme mit Happy End! Stan und Olli hätten das außerirdische Monster mit kryptonitgewürzten Sahnetorten beworfen! So macht man das!!